Ausbildungsqualität auf hohem Niveau

26.09.2017. Umfrage in Rheinland-Pfalz zeigt, dass die Ausbildung auf einem guten Weg ist

Umfragen über die Qualität der Ausbildung werden häufig von Seiten der Gewerkschaften vorgenommen. Dabei kommt das Handwerk, insbesondere das Tischlerhandwerk, nicht immer gut weg. Dies nahm der Landesinnungsverband für das Tischlerhandwerk in Rheinland-Pfalz zum Anlass, bei denen nachzufragen, die es wissen müssen: die Prüflinge der Sommerprüfung des Jahrgangs 2017.

Hierzu wurde den Prüfungsausschüssen ein Fragenbogen mit der Bitte zugesendet, diesen von den Prüflingen ausfüllen zu lassen und dem Verband zur Auswertung zurückzusenden. Erfreulich ist, dass sich von den ca. 300 Prüflingen 146 Prüflingen des Jahrgangs an der Befragung beteiligten.

Mit 40 bis 50 Prozent waren „Spaß am Beruf“ und eine „gute Ausbildung“ die Hauptgründe für die Wahl der Tischlerausbildung. Überraschend ist, dass bei 17 Prozent Abiturienten nur 6 Prozent „Grundlage für das Studium“ als Grund für die Berufswahl angegeben haben. Allerdings stellen „Gute Zukunftschancen“ und „Image des Betriebes“ nur eine untergeordnete Rolle bei der Berufswahl dar.

Ein für das Tischlerhandwerk ernstzunehmendes Ergebnis ist die hohe Zahl (36 Prozent) derjenigen, die überlegten, die Ausbildung abzubrechen. Als Hauptgrunde wird hier der Umgang im Betrieb, Stress mit dem Chef und zu geringes Gehalt angegeben. An diesen Punkten müssen wir als Gewerk arbeiten! Erfreulich in diesem Zusammenhang ist, dass 76 Prozent der Prüflinge die Ausbildung und 66 Prozent ihren Ausbildungsbetrieb dennoch weiterempfehlen würden.
Auch die Antwort auf die Frage „Wie geht es nach der Ausbildung weiter?“ kann das Gewerk positiv stimmen, denn über 50 Prozent der Jung-Gesellen/innen werden vom Ausbildungsbetrieb bzw. einer anderen Tischlerei übernommen. In Zeiten des Fachkräftemangels ein deutliches Signal.

Ausbilder bekommen gute Bewertungen

Dass die Qualifikation Tischlermeister (72 Prozent) durch den Großteil der Ausbilder erfüllt wird, stellt keine große Überraschung dar. Aber auch die Gesellen in den Betrieben sind mit dem Thema Ausbildung beschäftigt. Mit 19 Prozent stellen sie die zweitgrößte Gruppe. Hier wird es in Zukunft notwendig sein, die Weiterbildung dieser Gruppe - gerade mit Blick auf die rechtlichen und pädagogischen Rahmenbedingungen - in den Fokus zunehmen. Aber auch die Meister müssen hier weiter unterstützt werden, da in 75 Prozent der Betriebe kein betrieblicher Ausbildungsplan vorhanden war. Dies erstaunt ein wenig, da es hier Musterpläne gibt.

Partner in der dualen Ausbildung wird gut bewertet

Auch die Berufsschulen bekommen als Partner in der dualen Ausbildung gute bis sehr gute Bewertungen. Die Ausstattungsqualität wird von 62 Prozent als gut bis sehr gut eingestuft. Ebenfalls die Lehrer erhalten bei den Prüflingen gute (50%) bis sehr gute (28%) Noten. Dieses Ergebnis ist insofern erfreulich, da das Tischlerhandwerk nur dann erfolgreich ausbilden kann, wenn alle an der Ausbildung Beteiligten sowohl fachlich, als auch in Bezug auf die Ausstattung auf hohen Niveau arbeiten.

C-Technik weitverbreitet

Die C-Technik (CAD/CNC) hält seit mehreren Jahren Einzug in das Tischler- und Schreinerhandwerk und bekommt so auch in der Ausbildung immer mehr Bedeutung. In der Umfrage wird in 47 Prozent der Betriebe C-Technik eingesetzt, und 59 Prozent der Ausbildenden durften diese in der Ausbildung auch nutzen. Damit wird zumindest für Rheinland-Pfalz das Vorurteil widerlegt, dass Auszubildende diese teure Technik nicht nutzen dürfen. Dies ist ein deutliches Zeichen, dass das Thema C-Technik in der Ausbildung weiter gestärkt werden muss.

Fazit der Umfrage und weiteres Vorgehen

Trotz der sehr guten Umfrageergebnisse kann sich das Tischlerhandwerk mit Sicherheit nicht entspannt zurücklehnen. Gerade in dem Bereich „Abbrecher“ stellt sich die Frage, warum es zu einem Ausbildungsabbruch kommt. Hier gilt es über Befragungen, die Gründe zu ermitteln und Möglichkeiten der Verbesserung zu finden. Denn eins ist klar: Jeder Ausbildungsabbruch betrifft drei Personen negativ: den Abbrecher, der frustriert ist, weil er sich seine Ausbildung anderes vorgestellt hat. Den Ausbilder, der Zeit und Geld in die Ausbildung investiert hat und auch den Jugendlichen, der den Ausbildungsplatz nicht bekommen hat und damit dem Tischlerhandwerk als zukünftige Fachkraft verloren geht.

Ein weiterer Punkt, der in den Fokus gehört, ist der Betriebliche Ausbildungsplan. Von vielen Ausbildern/Betriebsinhabern als lästige Pflicht betrachtet, bietet er doch die Möglichkeit, die betriebliche Ausbildung besser und übersichtlicher zu strukturieren. Ausbilder und Auszubildender habe immer im Blick, welche Inhalte schon vermittelt wurden und an welcher Stelle noch nachgebessert werden muss. Der betriebliche Ausbildungsplan trägt damit zu einer rechtssicheren Ausbildung bei und der Sicherheit, dass keine Ausbildungsinhalte vergessen wurden. Um die Arbeit für die Betriebe zu erleichtern, hat der Bundesverband für die aktuelle Ausbildungsordnung zwei Muster erarbeitet. Diese können beim Landesfachverband kostenfrei abgerufen werden.

Die Umfrage wird auch 2018 wieder durchgeführt. Die Ergebnisse sollten uns helfen, die Qualität in der Ausbildung weiter auf dem hohen Niveau zu halten.