Digitalisierung - Fluch oder Segen?

09.11.17. Ende Oktober traf sich die Branche zum siebten Mal in Ingelheim zum Austausch über Möbelproduktion und Innenausbau beim "7. Rheinland-Pfälzischen Möbel und Innenausbautag". Wie im vergangenen Jahr stand auch 2017 das Thema Digitalisierung wieder im Mittelpunkt.

Möbeltag web

Digitalisierung – Fortschritt und Risiko

Karl Trager, Vorstandsmitglied FV Leben Raum Gestaltung, ging in seiner Begrüßungsrede auf die Brisanz und Möglichkeiten der Thematik ein. Jürgen Keiper, Mitglied im Ausschuss Möbel und Innenausbau, erläuterte den Anwesenden, warum der Möbel und Innenausbauausschuss diese Thematik erneut aufgenommen hat. Laut Keiper besteht die Schwierigkeit für die Betriebe darin, alle Möglichkeiten zu erkennen, die sich ihnen durch Digitalisierung bieten und die einzelnen Lösungen zu einem Ganzen zusammenzufügen. Darüber hinaus birgt der digitale Fortschritt nicht nur Erleichterungen, sondern bringt auch einige Risiken mit sich, die von den Unternehmern erkannt werden müssen.

„Warum sollte ich gehackt werden?“

Jürgen Schüler, Fachbereichsleiter im „Kompetenzzentrum IT-Sicherheit und qualifizierte digitale Signatur“ und Berater für EDV der HWK Rheinhessen, referierte in seinem Vortrag zum Thema „IT-Sicherheit – Heute schon gehackt worden?“. In einem Praxisbeispiel führte er vor, wie einfach es ist, sich in ein fremdes System einzuhacken. Mittels einer Website, die Sicherheitslücken in IT-Systemen erkennt, landete Schüler auf der Internetpräsenz eines Salzburger Hotels und hatte Zugang zu dessen SmartHome Steuerung. Es wäre nun möglich gewesen, z.B. die Temperatur der einzelnen Zimmer zu regeln.

Damit war der Diskussionsbedarf bei den Teilnehmenden angeregt: „Warum sollte ich gehackt werden?“, „Ich bin doch viel zu klein und uninteressant!“ oder „Bei mir ist nichts zu holen!“ wurden als Argumente angeführt, denen sich Schüler entschieden entgegenstellte. Gerade kleinere Unternehmen werden häufig gehackt, um über sie Zugang zu größeren Kunden zu bekommen.

Schritte zu mehr Sicherheit

Ein erster Schritt zu mehr Sicherheit ist eine vollständige Dokumentation der IT-Systeme. Auch ein seriöser Umgang mit Passwörtern ist unerlässlich, ebenso eine geregelte Zugangsberechtigung zu den möglichen Servern oder Datenbereichen. Nicht jeder muss auf alles zugreifen können. Eine Hilfe, um Ihren Betrieb auf Sicherheitslücken zu überprüfen, finden Sie unter www.it-sicherheit-handwerk.de, hier bekommen Sie Checklisten, um den möglichen Handlungsbedarf in Ihrem Unternehmen zu ermitteln.
Welche digitalen Lösungen ein Betrieb praktisch umsetzen kann, stellte Sebastian Bächer den Zuhörer/innen anhand seines Betriebs vor. Der Geschäftsführer der Bächer Bergmann GmbH plauderte aus dem Nähkästchen, wie er im Unternehmen die anspruchvollsten Aufgaben dafür nutzt, die Organisation Schritt für Schritt zu verbessern. Die größte Herausforderung besteht darin, die digitalen Prozesse lückenlos zu durchlaufen. Doch selbst in einem hochtechnologisierten Betrieb wie der Bächer Bergmann GmbH werden die Skizzen noch mit Stift und Papier angefertigt.

Weitere Anwendungsfelder

Digitalisierung geht über die Abwicklung von Aufträgen hinaus. So stellte Bächer ein Projekt aus einem anderen Bereich seines Betriebes vor, in dem Digitalisierung genutzt wird. Die Firma Bächer Bergmann GmbH hat ein Firmen Wiki aufgebaut, wo die für den Einzelnen selbstverständliche Handgriffe vorgestellt werden, damit jeder schnell auf Firmenwissen zu greifen kann. Hier finden Mitarbeiter beispielsweise Erklärungen wie das Band der Breitbandschleifmaschine zu wechseln ist oder welcher Fräser wo zu Einsatz kommt.

Apps für das digitale Aufmaß

Joachim Egeler, Anwendungstrainer bei Bosch Power Tools GmbH, stellte unterschiedliche Apps für das digitale Aufmaß vor. Hier korrespondieren die Messinstrumente mit dem Endgerät und der Grundriss kann mit einfachen Handgriffen auf der Baustelle erstellt werden. Die Ausgabe erfolgt an unterschiedliche Programme. Eine weitere Möglichkeit bietet „Track my Tools“, hier kann die notwendige Dokumentation z.B. für Leitern oder Elektrowerkzeuge sichergestellt werden. Außerdem können Sie die Arbeitsmittel mit einem RFID-Chip ausstatten und so die Vollständigkeit der Montagefahrzeuge schnell überprüfen.

Personalentwicklung im digitalen Zeitalter

Katrin Münzberg, KCM Kommunikations Coaching, wies zum Schluss auf eine Thematik hin, die alle betrifft: Personalentwicklung im digitalen Zeitalter. Die Gesellschaft geht gerade durch einen erheblichen Wandel – die Babyboomer Generation wird von der Generation X und Y abgelöst. Auch im Handwerk. Die aktuellen Firmeninhaber müssen sich über die unterschiedlichen Anforderungen der neuen Genration im Klaren sein und ein stückweit darauf einlassen.